Was ist der beste Sport?


Eine Frage, die ich immer wieder von Klienten gestellt bekomme, richtet sich nach der perfekten/idealen Sportart. Vor allem Eltern fragen sich natürlich, welche Sportarten für ihre Kinder am besten sind. Für Kids muss ich nicht lange nachdenken: Schwimmen, Klettern, Turnen. Warum gerade diese, verschiebe ich lieber auf einen separaten Post. Für Erwachsene fällt die Antwort wohl etwas komplexer aus...



Warum denn überhaupt Sport?


Vereinfacht möchte ich behaupten, dass Menschen eigentlich nur aus zwei Gründen Sport treiben (oder noch einfacher: sich überhaupt bewegen):


  1. Um nicht zu sterben

  2. Weil es Spaß macht


Ist ja leicht vorstellbar. Eine Linie. Rechts Spaß, links Überleben. Abhängig von den eigenen Bedürfnissen ordnet man sich jetzt irgendwo ein. Extremsportler, die beispielsweise ungesichert mehrere hundert Meter hohe Berge rauf klettern ("free soloing") oder mit Wingsuit und Ähnlichem für Red Bull (und ein paar likes auf Instagramm und co) ihr Leben riskieren, stellen wohl die Rechte Grenze des Spektrums da. Auf der linken Grenze stehen dann die, die sich zwei Stunden im Internet schlau machen, wie man denn mit geringstem Trainingsaufwand die lästigen Rückenschmerzen loswird - damit man ja keine Minute zu viel im Gym verbringt... Die eigene Einordnung auf dieser Skala definiert dann natürlich welche Sportarten für einen selbst "sinnvoll" sind.


Als Personaltrainer habe ich es mir zur Aufgabe gemacht, Menschen dabei zu helfen, gesünder zu leben. Folglich muss ich die Frage nach "der besten Sportart" also von der "um nicht zu sterben"-Seite beantworten :)



Kein Sport ist Mord


Die Formulierung "um nicht zu sterben" ist übrigens gar nicht so provokativ, wie sie klingen mag. Killer Nummer eins sind nämlich nicht Krebs, Krieg oder Malaria sondern Herzkreislauferkrankungen. Tendenziell zwar mehr in 1. World Staaten wie Amerika, Deutschland, etc. grundsätzlich aber auf der ganzen Welt. Ein Großteil davon leider oder zum Glück¹ selbstverschuldet und vermeidbar. Es ist nicht mal knapp. Krieg, Drogenmissbrauch, Suizid, Naturkatastrophen und ALLE Unfälle (Auto, Haushalt, Arbeit) kommen zusammengerechnet nur auf einen Bruchteil der Todesfälle. Kaum zu fassen, aber leicht nachzuschauen...


Die beste Prävention sind Ausdauersportarten². Ein trainiertes Herz, hält halt länger durch, wer hätt's gedacht. Okay, cool. Wenn ich also nicht früh sterben will, dann also Ausdauertraining.



Einfach machen!


Grundsätzlich merkt euer Herz, wie auch eure Muskeln, nicht wirklich was ihr tut. Ob man sich also bei den Klassikern wie Walken, Joggen, Schwimmen sieht oder lieber zu den neuen hippen Sachen wie den ganzen Aerobic-Trends oder beispielsweise Battlerope-Training tendiert spielt, für das Herzkreislaufsystem keine große Rolle. Solange man über einen längeren Zeitraum eine Grenzschwelle an Muskelaktivität überschreitet, nennt man das Ausdauertraining. Dabei verbraucht man vor allem Energie und Sauerstoff. Der Transport findet übers Blut statt. Braucht man also mehr davon, muss das Herz mehr pumpen und wird dadurch trainiert - egal ob man dabei jetzt durch den Wald flitzt oder das "SupRfit zu Hause in 13 Minuten" von 3.0 Fitness macht.



Wirklich? Einfach irgendwas machen?

Naja, vielleicht war's eben doch etwas zu einfach...

Für die meisten Menschen ist überleben schließlich nicht gleich leben. Zum Leben gehört nämlich die Lebensqualität. Wem die wichtig ist, der fragt sich natürlich wie Sport diese verbessern kann. Hauptsäch-lich sind mir folgende Vorteile von Training dazu eingefallen:


  1. Keine schmerzenden Muskeln oder Gelenke

  2. Alltägliche Arbeiten fallen leichter (Kinder/Einkäufe tragen, Gartenarbeit, etc.)

  3. Verbessertes Aussehen oder Selbstwertgefühl

  4. Spaß / das gute Gefühl danach


Zu Punkt 3 und 4 kann ich nicht viel empfehlen. Jeder hat ja ein andere Ästhetikempfinden und jeden treiben andere Dinge an.


Was 1 und 2 angeht kann man aber klar sagen: Einfach nur Joggen oder Radfahren reicht nicht. So gut Ausdauersport für das Herzkreislaufsystem auch ist, so bringt er oft folgendes Problem mit sich: Ein Bewegungsmuster wird immer wieder wiederholt (und dabei oftmals der Oberkörper komplett vernachlässigt). So gut ein Ausdauersport auch sein mag - er wird nicht alle Bewegungsmuster des menschlichen Körpers in einem ausgeglichen Verhältnis abdecken können. Gehe ich also immer nur laufen, kann man das als einseitige Belastung verstehen. Diese vernachlässigt einerseits den gesamten Oberkörper und hilft mir dabei weder Schmerzen in beispielsweise der Schulter zu vermeiden/bekämpfen, noch dabei mein Enkelkind ins Auto tragen zu können. Außerdem können sich auf kurz oder lang muskuläre Disbalancen in den Beinen einschleichen, welche zu Schmerz und Einschränkungen führen.



Also doch alles Kacke?


Natürlich nicht. Die Frage nach der besten Sportart ist einfach "kacke". Müsste ich sie beantworten würde ich wohl Schwimmen sagen, weil man hier einfach das gute vom Ausdauertraining hat und durch die verschiedenen Schwimmstile den Oberkörper vielseitig und recht ausgeglichen trainieren kann. Aber selbst dann: Nicht jeder schwimmt gerne. Nicht jeder hat ein Schwimmbad in der Nähe. Außerdem sind die oft total überfüllt und man kommt nicht wirklich zum trainieren..


Die eine richtige Sportart gibt es für mich also nicht. Gerade gesundheitlich betrachtet sollte die Balance im Vordergrund stehen. Das heißt konkret: Möglichst vielseitig bewegen. Laufen, Schwimmen, Klettern, Tanzen, Radfahren, rudern und was es noch so gibt.


Ich will übrigens nicht sagen, dass man jetzt jeden Tag trainieren muss, um irgendwie alle Sportarten unter zubekommen. Darum geht's nicht! Und um gesundheitlich richtig fit zu sein, muss man auch nicht besonders gut in einer Sache sein. Eher umgekehrt. Der "Jack of all trades" - der Sportler also, der zwar keine Disziplin meistert, aber dafür alles ein bisschen hinbekommt ist das bessere Vorbild.


Wenn man also zwei mal pro Woche Sport machen will, sucht man sich bestenfalls zwei Sportarten raus, die einem möglichst Spaß machen und unterschiedliche Bereiche abdecken. Und nach ein paar Monaten probiert man dann einfach mal was anderes aus. Wem Sport wie Klettern, Rudern, etc. nicht zusagt, der darf gerne mal einen Blick in die komplexe aber wundervolle Welt des Krafttrainings werfen :)


Alles in allem

Wer lange leben will, macht Ausdauersport.

Besser irgendwas als Garnichts.

Wer "gut" leben will, bringt Abwechslung rein und vergisst den Oberkörper dabei nicht.


¹ leider weil so viele Menschen daran sterben. Zum Glück, weil die meisten nicht einfach sterben müssen, sondern etwas dagegen tun können.

² damit meine ich die beste präventive Maßnahme im sportlichen Bereich.

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