Die Kraft der Berührung


2016 bis 2017 durfte ich ein Jahr lang ein junges Fußballtalent begleiten. Zwei mal pro Woche. Der Junge war durch das fast tägliche Training, das hin- und her zwischen seinen getrennten Eltern und dem üblichen Druck der Noten messbar¹ so sehr gestresst, dass er schon psychosomatische Symptome wie regelmäßige Bauchschmerzen zeigte.

Glücklicherweise konnte ich seine Eltern davon überzeugen, dass Massagen helfen könnten den Jungen etwas runterzubringen. Gesagt getan. Statt zwei Stunden Training, wie ursprünglich geplant, machte ich mit F. nun eine Stunde Massage und eine Stunde Training pro Woche. Papa war erst nicht so begeistert, weil "wie soll der Junge denn besser spielen, wenn auf der faulen Haut liegt". Ich hatte nicht besonders viele Klienten damals und war auf jeden einzigen angewiesen. Ich weiß noch, dass es mir etwas Angst machte, denn mir war klar: Wenn das Hippy-Vorhaben namens "ich massier den jungen einfach, dann wird das schon mit den Noten und dem Bauchweh" nicht aufgeht, dann bin ich die Familie ganz schnell los.

Vom Ergebnis war ich ehrlicherweise selbst überrascht. Bauchweh weg, Noten besser, Junge happy. Was vorher mit regelmäßigen, quälenden Nachhilfe Stunden nicht geklappt hatte, war praktisch von selbst geschehen. Ich musste mir dann selbst eingestehen, dass die Vorannahme "Kinder brauchen/wollen doch keine Massagen" zu einem gewissen Maß auch in meinem Kopf verankert gewesen war, da ich niemals mit so einer großen Veränderung gerechnet hätte.


Natürlich kann man das jetzt so nicht auf jedes Kind übertragen, aber für mich bleibt es ein prägendes Ereignis und eine Erkenntnis die mir zeigte, dass gerade Kinder heute manchmal einfach mehr brauchen als die Klassiker wie Nachhilfe. Ich sags mal so: wenn ein 12 Jähriger zwei Stunden am Tag für die Schule lernt und das nicht reicht ist die Lösung nicht "mehr Lernen".

Übrigens: Vor ein paar Monaten schickte mein guter Freund Aljoscha mir einen Artikel über die wissenschaftlich bestätigten, positiven Auswirkungen von Massagen. Im Endeffekt scheint mein Experiment mit F. doch gar nicht so verrückt gewesen zu sein...


Schaut man sich die Ergebnisse diverser Studien an, scheint Massage offenbar ein echtes Allheilmittel zu sein. Hilft bei Klassikern wie Rückenschmerzen und Kopfweh, aber auch bei ADHS (siehe Rechts auf dem Bild), Depressionen, Essstörungen und noch viel mehr.


Die Kraft der Berührung eben!

Und wer Interesse an dem Original Artikel hat, kann sich gerne melden - ich reiche ihn gern weiter!

¹ Ja, richtig, Stress ist messbar: Ich verwende dafür ein kleines aber feines HRV-Messgerät. Was es damit auf sich hat, erläutere ich in einem zukünftigen Post.

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